Bewusstseinskraft

Nach dem Frühstück führten wir im Hotel-Garten eine gemeinsame Meditation durch und Ava verband sich telepathisch mit der Geistigen Welt um uns einige wichtige Informationen zu überbringen, die uns sowohl auf unserer Reise als auch später nützlich sein sollten.

Ich lag ganz relaxed unter einem Granatapfelbaum und nahm das Übermittelte voll und ganz in mich auf.

  Es ging um die seelischen Aspekte für unser Tun und Handeln oder auch Nichthandeln, weil wir Angst davor haben, etwas falsch zu machen.

  „Wenn wir beispielsweise Probleme mit uns selbst haben“, erklärte sie, „wirkt sich das auch auf unsere Mitmenschen aus, mit denen wir zu tun haben. Viele haben noch Widerstände gegen die eigene positive Kraft und zweifeln an sich, was einem Vorankommen stark entgegenwirkt.

Wir stopfen uns mit allem möglichen Müll voll, blockieren uns statt unserer Bestimmung zu folgen. Wir besitzen ein großes Potenzial, eine schöpferische Kraft, die nur darauf wartet, entfaltet zu werden. Wenn wir dieses Potenzial nicht ausleben, leiden andere darunter, die unsere Hilfe brauchen, sie aber nicht bekommen, weil wir angeblich Wichtigeres zu tun haben. Unsere Aufgabe wirklich anzunehmen ist nicht einfach, aber wir sollten dran bleiben. Es ist sehr hilfreich, wenn wir überzeugt sind von unserem Wirken. Wir sollten dem gerecht werden, was in uns steckt, unserem Herzen folgen, alles spielerisch leicht bewältigen. So wie die Kinder alles mit Freude tun.“ Bei diesem Satz wurde ihr Blick zu dem eines Kindes und sie lächelte.

  „Wo die Freude ist, befindet sich auch der Weg. Dann haben wir eine Schlüsselfunktion inne. Dieser Schlüssel lässt sich dann im Schloss auch ganz leicht drehen und öffnet so manche Pforten. Jeder hat eine andere Aufgabe, welche uns schon in die Wiege gelegt wurde. Ansonsten sind wir in den Augen der Quelle, in den Augen Gottes alle gleichwertig.“ Sie machte eine Pause und fuhr nach etwa 20 Sekunden fort:

  „Auch ist es für uns wichtig, dass wir unsere Gefühle wirklich fühlen, sie zulassen und nicht unterdrücken. Sie sind unsere kleinen Kinder, die wir nicht wegschubsen dürfen, auch wenn sie uns vielleicht unangenehm sind. Wenn wir uns weiter entwickeln wollen, kommen wir nicht drum herum sie vollkommen anzunehmen. Gleichfalls sind wir dazu aufgefordert unserer Intuition zu vertrauen. Wir werden geführt. Wir sollten ihr folgen und uns auf den Weg begeben, den sie uns vorgibt. Denkt an euer Potenzial! Wir dürfen uns nicht unterschätzen, denn dann unterschätzt uns die Welt.“

  Aufmerksam hörte ich zu und mir wurde klar, dass ich meine wirkliche Bestimmung noch nicht gefunden hatte.

  „Die Buna bittet uns um Hilfe“, übermittelte uns Ava weiter. „Über ihr liegt ein grauer Schleier, etwas Schwarzmagisches. Wir sollen uns mit ihrer Quelle verbinden und wenn es möglich ist, diesen  Schleier ablösen, bevor wir in Visoko eine Friedensmeditation abhalten. Wir sollen uns reinigen, erholen, auftanken und uns allmählich auf die hohen Schwingungen in der Pyramide, die wir am fünften Tag unserer Reise aufsuchen würden, vorzubereiten.“

  Das hieß, dass wir noch eine Behandlungsrunde mit geistiger Energiearbeit leisten mussten. Da war die White-Lion-Power-Energie gefragt, welche wir eine halbe Stunde in die schwarzmagischen Einflüsse schickten, damit sie sich auflösen. Ava fragte am Schluss noch einmal nach, ob sich das Problem gelöst hatte. Sie konnte uns tatsächlich eine positive Antwort geben. Mit Rosa Energie füllten wir nun noch die verbliebenen Löcher auf, so dass an dem Ort, an dem die Buna entsprang, eine positive Energie herrschte.

Es war einige Zeit vergangen, bis wir in der größten Mittagshitze den Fußmarsch zur dem Ort antraten, wo die Buna , die Ur-Quelle entspringt. Unser Weg führte vorbei an alten Häusern, deren Dächer noch mit richtigen, plattenartigen Steinen bedeckt waren. Diese Bauweise war mir komplett unbekannt, schien aber optimal zu sein und ich konnte mir vorstellen, dass solch ein Dach einige Jahrhunderte hält. Wogegen die einstige Holzbrücke, an der wir entlang kamen, viele löchrige Planken aufwies, aber trotzdem noch als Moped-Parkplatz diente. Das war schon mal ein Foto wert.

  Eine einfache, schmale Straße führte hinauf zu einem Ort in Blagaj, der etwas höher lag. Er wurde einst neben einem alten Derwisch-Kloster aus dem 15. Jahrhundert errichtet, dass an eine hohe Felswand gebaut war, gleich neben der Karst-Quelle, die aus einer 200 Meter tiefen Felsenhöhle entspringt und etwa 43 000 Liter Wasser pro Sekunde ausschüttet, was sie somit zur ergiebigsten Quelle Europas macht.

  43 000 Liter! Diese gewaltige Menge konnte ich mir gar nicht so recht vorstellen, und das in einer Sekunde!

  Der Ort war von Touristen reichlich besucht. Die Autos auf dem schmalen Zufahrtsweg standen im Stau und es ging weder vor noch zurück. Man konnte stark die Aggressivität der Fahrer spüren, die bereits von den zurzeit herrschenden hohen Temperatur und den chaotischen Gegebenheiten gereizt waren.

  Plötzlich tauchten vier Polizisten mit Maschinengewehren vor uns auf. Sie winkten uns heran.

Mich durchfuhr ein gewaltiger Schrecken! Was wollten die von uns?

Im Gänsemarsch zwängten wir uns an den stehenden Autos vorbei. Sie musterten uns der Reihe nach, schienen aber nicht zu finden, was sie suchten und forderten uns auf, weiter durchzugehen.

  Sicher suchten sie jemanden. Ich atmete erleichtert auf. Warum machen mich solche Situationen immer so nervös? War ich in einem anderen Leben vielleicht einer der Flüchtlinge gewesen, der aus einem Straflager geflohen war? War es die Beeinflussung der einst gesehenen Bilder aus dem Fernsehen?

  War es, weil mir schon einmal eine Waffe an den Kopf gehalten worden war?

  Vorbei! Sie hatten mich vorbei gelassen.

  Wir konnten bald in das Touristen-Getümmel des kleinen Ortes eintauchen. Es blieb etwas Zeit uns umzuschauen und ein paar Dinge bei den vielen Händlern, die ihre Stände teilweise vor oder neben den eigentlichen Geschäften aufgebaut hatten, zu kaufen.

  Ich besorgte mir einen breitkrempigen Hut, der besser als mein alter vor der Sonne schützte. Doch schon bald merkte ich, dass er viel zu groß war. Beim kleinsten Lüftchen glitt er vom Kopf.

  Also hielt ich tapfer meine Hand immer schön an die Krempe.

  Als alle wieder beisammen waren, stiegen wir abwechselnd die vielen Stufen am Rande des Klosters hinab bis zum Fluss, damit sich jeder eine Flasche dieses guten, reinen Quellwassers abfüllen konnte.

  Ich wage kaum den Geschmack dieses Wassers zu beschreiben und  möchte es trotzdem versuchen: Weich, kühl, lieblich und doch auch kraftvoll, der Ursprung allen Wassers.

Arme und Beine mit diesem kalten Wasser zu benetzen, stellte eine absolute Freude und Dankbarkeit dar, da sie uns ein kurzes Entrinnen aus dem Glutofen dieses Ortes bescherte.

Hier hätte ich noch lange verweilen können...

...ich richtete meine Beobachtung auf das Wasser. Wie seltsam doch die Oberfläche anmutete. Viele kleine tanzende Strudel bewegten sich in Flussrichtung, als ob man mit dem Finger hinein getippt hatte und diese Vertiefungen erhalten blieben. Energiegeladene Wirbel, die sich überhaupt nicht aufzulösen versuchten. Sie drehten sich immer weiter im Kreise, während daneben die verschiedenen Oberflächenschichten des Wassers sich überlappten und sich gegenseitig zu überholen versuchten bis hin zur Kante, wo sie durch die Wasserkaskaden gänzlich durcheinander gewirbelt wurden. Es war absolut faszinierend, dieses Wasserspiel mit den Augen zu verfolgen.